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Die Entwicklung der letzten Zeit macht deutlich, dass eSports zwar langsam, dafür stetig an Umfang und Bedeutung zunimmt.
Unvergessen die sachliche und objektive Berichterstattung der "konventionellen" Medien, der teilweise Aufkauf von GIGA, das Wachsen der ESL und so weiter. Schon Kästner sagte Es gibt nichts Gutes: außer man tut es! - das bedeutet unter Anderem für den eSports, dass Irgendwer die nötige Lobby- und Imagearbeit machen muss.
Dies ist aktuell der ESB. Frank Sliwka, der Geschäftsführer des ESB, war bereit, sich ausführlich Zeit für die Beantwortung unserer Fragen zu nehmen. Er nimmt sehr ausführlich Stellung, erläutert Ziele und Arbeit des ESB.

Wer kam denn nun eigentlich auf die Idee, den esb zu gründen?
Die beiden Vorläuferverbände (DeSV und DeSPV) waren erste Versuche, Verbandplattformen für den eSport in Deutschland aufzubauen. Dieses ist beiden Verbänden nur mit mäßigem Erfolg gelungen, aber durch ihre Existenz haben sie die Grundsteine für die heutige Entwicklung gelegt – die Schaffung der gemeinsamen Plattform Deutscher eSport-Bund (esb). Die Gründung des esb war nicht die Arbeit und Idee einer einzelnen Person, sondern vor allem auch ein Verdienst von Ralf Reichert, Rene Korte und Holly Kreie, den jetzigen Vorstandsmitglieder. Gerade sie haben diese Idee aktiv getragen und weiterentwickelt, da ihnen sehr bewusst war, dass eine Verbandsplattform dem eSport allgemein helfen wird.


Woher nehmt ihr die Legitimation als Vertreter der Spieler?
Der esb vertritt seine Mitglieder, die Spieler. Dieses ist über die Satzung des esb dokumentiert. Die Spieler agieren in einem Umfeld, das sie betrifft und beeinflusst. Damit wird auch das Umfeld zum Arbeitsinhalt eines Verbandes. In anderen vergleichbaren Sportverbänden sind diese Strukturen genauso zu finden. Es ist üblich, dass der Verband die Veranstalter wie auch das Wirkungsfeld der Spieler betrachtet und vertritt. Ein Verband ist hauptsächlich dazu da, seine Mitglieder nach außen zu vertreten und für sie als Gemeinschaft zu kommunizieren. Um dieses optimal zu erreichen, ist es wichtig, einheitliche und überschaubare Strukturen zu schaffen. Einheitliche Grundregeln und Normen zu schaffen, ist also ein Ziel des esb.

Gerade die frühe Unterstützung von Spielern, Clans, Industrie (z. b. Shuttle, ATI, Intel, Sennheiser) und Institutionen (z. B. USK, VICD, G.A.M.E.) hat uns gezeigt, dass die Einrichtung des esb richtig ist. Wir bieten jedem Spieler an, dass er Mitglied werden kann.


Wer, sprich welche Firmen, Ligen etc., ist der esb?
Einen wichtigen Aspekt, der mir persönlich am Herzen liegt, möchte ich vorweg kurz erwähnen. Der esb ist eine unabhängige Institution und offen für alle, die eSport in Deutschland betreiben. Alle Mitglieder und Vorstände sind der Satzung des esb verbunden, die genau diesen Sachverhalt auch beschreibt. Gerade darauf und auf die Unabhängigkeit des esb haben die Vorstandsmitglieder bei der Gründung hohen Wert gelegt.

Der esb besteht laut seiner Satzung aus seinen Mitgliedern und dem Vorstand. Den Vorstand bilden die vier Personen, die den Verbandsgedanken in den letzten Jahren vorangetrieben und die Fusion der beiden Vorläuferverbände maßgeblich durchgeführt haben. Die Personen im Vorstand arbeiten seit Jahren - und dieses möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen – unabhängig von ihren eigenen wirtschaftlichen oder unternehmerischen Interessen für den esb und damit für den eSport in Deutschland.


Wie stellt ihr die Beteiligung der jeweiligen Ligen, Teams etc. an Strategieentwicklungen / Positionierungen sicher?
Alle Sachthemen, die in der Satzung oder im Konzept festgehalten sind, sollen im Dialog mit den Ligen, Clans und Spielern entwickelt werden. Hierfür werden Arbeitskreise angeboten und eingerichtet, die die entsprechenden Themen, wie Regelwerk oder technische Mindeststandards diskutieren.

Auch wenn Ligen untereinander im Wettbewerb stehen, so gibt es Punkte, die sie einen. Gleiches gilt für Teams oder Spieler. Diese zu erkennen und damit für alle einen Fortschritt für den eSport zu erzielen, muss der esb transportieren. Es geht aber nicht ohne Bereitschaft der Beteiligten. In anderen Branchen sitzen auch die Wettbewerber an einem Tisch, um ihre Branche nach vorne zu bringen. Sie wissen genau, dass damit auch jedes einzelne Unternehmen gewinnt. Ein sehr aktuelles Beispiel hierfür ist die GC (Games Convention) in Leipzig. Die Ausstrahlung, die dieses Messe weltweit erzeugt, ist auch Ergebnis der Zusammenarbeit der Industrie


Ihr sprecht ja von der Marktbedeutung und dem wachsenden Potential des eSports. Was habe ich mir konkret darunter vorzustellen?
In der öffentlichen Wahrnehmung spielt der eSport noch eine geringe Rolle. Der eSport ist eine junge Sportart, die aber sehr schnell wächst und sich weiterentwickelt. Die Infrastruktur schreitet voran, hier braucht sich der eSport vor anderen „jungen“ Sportarten nicht zu verstecken.

Der eSport steht erst am Beginn seiner Entwicklung. In einigen Jahren werden wir wesentliche bessere Voraussetzungen für das Ausüben des eSports und eine positive öffentliche Wahrnehmung des eSports erreicht haben. Dieses ist meine eigene Überzeugung. Die aktuellen Entwicklungen z. B. von GIGA, der WCG oder Ocrana setzen deutliche Signale.


Wo seht ihr soziales Engagement im eSport?
Soziales Engagement liegt gerade bei den Clans. Clans übernehmen immer mehr die Rolle von Vereinen des traditionellen Sports. Sie bieten ihren Mitglieder ein soziales Gefüge, sinnvolle Freizeitgestaltung und Kommunikation an. Diese Aufgaben der Clans an die Politik und deren exekutiven Organe heranzutragen, ist eine Aufgabe, die der esb leistet. Auch die Einrichtung von eSport- oder Gaming-Center als Anlaufstelle für Jugendliche kann soziale Funktionen übernehmen.


Plant ihr, eine den Ligen übergeordnete und weisungsberechtigte Instanz zu werden, ähnlich dem DFB im Fußball?
Ein Verband ist hauptsächlich dazu da, seine Mitglieder nach außen zu vertreten und für sie als Gemeinschaft zu kommunizieren. Um dieses optimal zu leisten, ist es wichtig, einheitliche und transparente Strukturen zu schaffen. Einheitliche Grundregeln und Normen zu schaffen, ist also ein Ziel des esb. Dieses zu erreichen, liegt in der Hand der Mitglieder und Partner des esb.

Der esb ist die Vertretung der Spieler und damit mit herkömmlichen Sportverbänden in Bezug auf Aufgaben und Zielen vergleichbar. Genau wie andere Sportverbände arbeitet der esb mit Veranstaltern zusammen, um für Spieler, aber auch für die Veranstalter, Mehrwerte z. B,. in Form von gleichen Regelwerken, Transferzeiten und technische Mindeststandards zu erreichen. Der esb versteht sich dabei als Plattform, auf der die verschiedenen Gruppen diskutieren können und so selbst die Regeln für das Miteinander schaffen.

Der esb will nicht vorgefertigte Regeln und Anforderungen vorgeben, sondern im Dialog gemeinsame Inhalte entwickeln. Um jedoch ein Diskussionsgegenstand zu haben, fertigt der esb ein allgemeines Regelwerk an. Es sollen dabei allgemeingültige Hinweise und Regelungen vorschlagen werden, die aber nicht exakte Vorgaben hinsichtlich Rundenzeit, Bomb-Timer, etc vorgibt, sondern Grundlegendes regelt. Damit sollen Fragen geklärt werden, wie z. B. „was sind Single-Elimination“, „wie werden sie gespielt“ oder „wie wird bei Regelverstößen vorgegangen“.

Ein Regelwerk, dass den jeweiligen Ligen oder den Spielern jegliche Freiheit beraubt, ist nicht das Vorhaben des esb.


Was konkret sind die von euch geforderten Qualitätsstandards für Wettkämpfe bzw LANs?
Hier ist die Vorgehensweise die gleiche wie beim z. B. beim Vorgehen der Erarbeitung eines allgemeinen Regelwerkes. Der esb bietet auch hier die Diskussionsplattform und –grundlage an. Die beteiligten Ligen und LAN-Vertreter entwickeln die Qualitätsstandards gemeinsam mit dem esb.


Bezüglich der "Kommunikation" nach außen: In 2005 hat es für gerade mal 8 Pressemeldungen gereicht - das ist weniger als eine pro Monat. Ist das nicht ein bisschen wenig?
Es waren – nur nebenbei – 10 Pressemitteilungen im letzten Jahr. Wenn man dieses mit den anderen beiden Verbänden der Branchen (G.A.M.E. und BIU) vergleicht, dann waren wir ganz schön fleißig! Es ist immer die Frage, gibt es so viele wichtige Themen, zu denen eine Pressemitteilung versandt werden muss? Neben den Pressemitteilungen haben wir einige Hintergrundinterviews gegeben oder in Pressegesprächen Auskunft über die generelle Arbeit des esb gegeben. Auch bedarf die Beantwortung eines Interviews seine Zeit , gerade wenn es 19 Fragen umfasst!!

Ehrlich gesagt, ist es aus Sicht des esb schwierig, die Kommunikation nach außen an der Anzahl der Pressemitteilungen zu messen. Leisten diejenigen bessere Arbeit, die die doppelte Anzahl an Pressemitteilungen herausgegeben? Für den esb ist es wichtiger, an den richtigen Stellen im Sinne der eSportler zu reagieren. Dies hat der esb 2005 getan:
1. In der Diskussion Internet-Cafes vs. Spielhallen
2. Berichterstattung von F21
3. Diskussion zu „Killerspielen“

In allen drei Fällen hat der esb überhaupt oder schneller als die anderen Verbände der Branche reagiert und deutlich gezeigt, dass die „Konsumenten“ eine Meinung besitzen. Gleichzeitig haben wir in diesen Fällen Reaktionen in anderen Medien erzeugt und konnten auch dort unsere Meinung vertreten.

Alle Öffentlichkeitsmaßnahmen sind im Jahrbuch des esb aufgelistet und zum größten Teil auch kommentiert. Das Jahrbuch steht als Download auf der esb-Homepage unter www.e-sb.de zur Verfügung.


In anderen Interviews ist öfters davon die Rede, dass man Teile der Lobbyarbeit nicht nach außen kommunizieren möchte, um das geschaffene Vertrauen nicht zu zerstören. Warum berichtet ihr dann nicht anonymisiert darüber anstelle solche Nebelkerzen einzusetzen?
Ein anonymisiertes Vorgehen würde das gerade aufgebaute Vertrauen zu Multiplikatoren oder politischen Ansprechpartnern stören. Verbände arbeiten oft sehr leise und das Ergebnis ist meistens schwer messbar. Manchmal erfolgt ein Ergebnis auch zeitlich viel später als die Aktionen ursprünglich erfolgt sind. In 2005 war eSport deutlich verstärkt in den Medien und wurde in der Öffentlichkeit , Politik und Wirtschaft stärker wahrgenommen. Diese ist auch ein Verdienst des esb, wie auch von vielen anderen. Ein Verband schafft Strukturen, erzeugt Aufmerksamkeit und bereitet den Weg, den dann andere aus der Community oder Branche gehen, vor.

Ein deutliches Zeichen der erfolgreichen Arbeit des esb ist, dass Vertreter des esb an der Konrad-Adenauer-Stiftung Vorträge zu „Jugend und elektronische Medien“ halten. Auch die Kontakte zu Jugendbeauftragten verschiedener Polizeipräsidien oder Stadtverwaltungen sind nicht geeignet, um diese zum jetzigen Zeitpunkt publik zu machen. Ein sehr wichtiger Kontakt des esb ist Thomas Jarzombek, der Mitglied des Landtages von NRW ist. Thomas Jarzombek hat bereits in den vergangenen Jahren das „International eSports-Forum“ besucht und sich auch dort ein Bild über den eSport in Deutschland gemacht.

Die Arbeit des esb, die Politik auf eine Veränderung in der Gesetzgebung bzgl. „Gaming-Stations“ oder „Gaming-Cafes“ hinzuweisen und den momentan erreichten Zwischenstand laut zu publizieren, würde die Arbeit in diesem Bereich nicht fördern.


Wie wollt ihr Transparenz in Richtung der "Community", deren Vertreter ihr ja auch zu sein vorgebt, erreichen, wenn ein grosser Teileurer Lobbyarbeit im Verborgenen stattfindet.
Nicht immer ist die Arbeit eines Verbandes „laut“ und die Ergebnisse sofort sichtbar. Oftmals zeigen sich diese erst im Tagesgeschäft. In 2005 haben wir aber zu wenig in die Community kommuniziert und aufgezeigt, welche Aufgaben der esb angegangen ist. Dieses werden wir in diesem Jahr ändern und in der Zukunft unsere Arbeit transparenter darstellen. So veröffentlicht der esb jeden Monat einen Bericht über die geleistet Arbeit. Die Monatsberichte sind über die esb-Homepage abrufbar.

Auch haben wir das Jahrbuch 2005 veröffentlicht, das einen Überblick über die Arbeit im vergangenen Jahr gibt.

Ergebnisse der Lobbyarbeit werden erst dann sichtbar, wenn z. B. der esb in der Konrad-Adenauer-Stiftung oder im SWR-Kulturteil auftaucht. Auch in Zukunft kann nicht die gesamte Lobbyarbeit in der Öffentlichkeit ablaufen! Wichtig war uns in 2005, Inhalte zu kreieren und Ergebinsse zu erzielen, mit denen wir dann auf die Community zugehen können.

Aber noch mal zurück zu der Frage. Der esb existiert gerade etwas mehr als ein Jahr. Im ersten Jahr mussten viele organisatorische und administrative Aufgaben bewältigt werden. Es mussten z. B. Kontakte zu Institutionen und Personen geknüpft werden oder ein Büro gesucht und eingerichtet werden. Dann musste auch noch eine Finanzierung des Ganzen gesichert werden. Aus unserer Sicht schien es nicht sinnvoll, jeden Tag zu verkünden, mit wem wir heute telefoniert haben, oder welche Möbelstücke wir für das Büro angeschafft haben.


Ist der esb dazu da, Lobbyarbeit für den eSports zu machen oder soll er auch der Gewinnerzielung dienen?
Der esb ist nicht auf finanzielle Gewinnerzielung aus. Dies ergibt sich alleine schon aus der Vorschriften der Satzung und den dort beschriebenen Aufgaben.


Die angestrebte Bildung der esb-Trainingscenter: wie weit ist sie gediehen, was sind die Kriterien für die Lizensierung der LAN-Center und was kostet es die LAN-Center?
Es existiert ein Anforderungsprofil des esb für die technische, organisatorische und soziale Ausstattung und Ausrichtung der eSports-Center. Auch hat der esb Anfragen von potenziellen Betreibern von eSports-Center . Leider werden wir in der Umsetzung durch die Maßgaben gerade des Finanz- und Bauamtes gestoppt. Erst wenn dieses auf politischen Weg geregelt ist, können die konkreten Planungen wieder aufgenommen werden.


Gibt es schon konkrete Planungen zur Verbesserung der Außenkommunikation bzw. zum Schaffen von mehr Transparenz?
Wie schon erwähnt – es gibt neben den Pressemitteilungen seit Dezember 2005 Monatsberichte, die die Arbeit des esb im jeweilig zurückliegendem Monat beschreiben und dokumentieren. Wir veröffentlichen die Teilnahme des esb aktuell an Diskussionen, Events oder Messen auf der Homepage.

Der esb hat Anfang 2006 die Homepage neu gestaltet und viele neue Features eingebaut. So haben wir einen Bereich, in dem die Monatsberichte, Vorträge und Stellungnahmen zu finden sind. Wir haben auf der Startseite die wichtigsten News und die aktuellen Pressemitteilungen eingestellt.

In 2006 wird der esb stärker in der Öffentlichkeit gehen und z. B. wichtige Community-Events besuchen und Pressegespräche mit den wichtigsten Newsseiten der Community führen oder . Seit Anfang des Jahres können wir den Mitglieder auch erste Mehrwerte, wie Musterverträge für Spieler und Vereinssatzungen anbieten.


Welche "Meilensteine" hat sich der esb konkret für 2006 vorgenommen?
Für 2006 gibt es nur einen wichtigen Meilenstein: Die Akzeptanz und geschlossene Unterstützung der Community zu gewinnen. Also auch die kritische Stellung von counter-strike.de zu hinterfragen und zu zeigen, dass der esb eine sinnvolle Einrichtung für den eSport in Deutschland ist.


In welcher Form kann sich ein 0815-Spieler beim esb engagieren?
Viel hängt von der Mitgliederzahl eines Verbandes ab. D.h., je mehr Mitglieder der esb hat, desto mehr Einfluss hat er auf politischer, gesellschaftlicher und sportlicher Ebene. Somit unterstützt ein „0815-Spieler“ die Arbeit des esb schon, indem der sich als Mitglied registriert. Um in den Deutschen Sport-Bund als Verband aufgenommen zu werden, ist u. a. eine Voraussetzung, mindestens 20.000 Mitglieder zu haben!

Da der esb ein geringes finanzielles Budget hat, ist auch jede finanzielle Spende oder tatkräftige Unterstützung (z. B. Verlinkung auf Homepage, vorhandene Kontakte in der Politik oder Medien an den esb weitergeben) herzlich willkommen.


Was waren die größten Fortschritte für den esport, die der esb 2005 erzielen konnte?
Der esb wird als neutrale Informationsplattform und Anlaufstelle über den eSport in Deutschland von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Der esb ist bei den anderen Verbänden und den wichtigsten Institutionen der Branche anerkannt.

2/2006 by jwm