eGaming

Gaming-Recht: Wenn Spiele die Gerichte beschäftigen

Gaming ist längst nicht mehr nur eine Beschäftigung für Nerds, sondern im Mainstream angekommen. Vom Kind bis zur Oma daddelt fast jeder irgendwas – und sei es nur ein Handyspiel.
Auch in der Welt der Juristen ist das Gaming längst ein Thema. Und die müssen sich mit einer ganzen Menge Fragen zum Thema beschäftigen:

Jugendschutz und Geschäftsfähigkeit: Wer darf was spielen oder kaufen?
Als CS-Zocker hat man die „Killerspiel“-Debatte mittlerweile satt. Die Diskussion um Altersfreigaben, Verbote und Zensur ist auch für Juristen nicht neu. Die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle), die für Altersfreigaben von Computerspielen zuständig ist, gibt es schon seit 1994. Seit 2003 ist die Prüfung Pflicht.
Auch nationalsozialistische Symbole, wie etwa das Hakenkreuz, sind dabei immer wieder ein Thema. Ihre Darstellung ist eigentlich verboten. In Filmen sieht man sie dennoch, denn hier besteht die sogenannte Kunstfreiheit. Für Computerspiele ließ man das bislang nicht gelten und Spielehersteller mussten entsprechende Spiele anpassen. Neuerdings ändert sich diese Rechtsauffassung. 2018 erhielt „Through the Darkest of Times“ trotz Nazisymbolik die Zulassung und auch in Zukunft will die USK den Kontext entscheiden lassen.
Ebenfalls ein juristisches Thema beim Gaming ist die eingeschränkte Geschäftsfähigkeit von Minderjährigen. Hier sorgen vor allem In-Game-Käufe ohne Einwilligung der Eltern immer wieder für Probleme.

Urheberrecht, Verbraucherschutz, Datenschutz: Wer hat welche Rechte?
Geistige und künstlerische Leistungen sind durch das Urheberrecht geschützt. Das betrifft auch Computerspiele.
Wer Spielinhalte ohne Genehmigung verwertet, beispielsweise in Let’s Plays, begeht damit eigentlich eine Verletzung des Urheberrechts. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Und da Let’s Plays für Spielehersteller eigentlich kostenlose Werbung sind, haben Streamer hier normalerweise keine Konsequenzen zu befürchten.
Werbung in Spielen muss übrigens nicht gekennzeichnet werden, da Games nicht dem Rundfunkstaatsvertrag unterliegen.
Natürlich sind auch Datenschutz und -sicherheit beim Gaming Thema, wenn es beispielsweise um Spieleraccounts geht.
In Sachen Verbraucherschutz macht aktuell Steam von sich reden. Laut EU-Recht muss hier den Nutzern der Weiterverkauf von Spielen möglich sein, entschied ein französisches Gericht. Steam legte Rechtsmittel ein und das Endergebnis steht noch aus.

Glücksspiel: Wo liegt die Grenze?
Wenn in einem Spiel echtes Geld eingesetzt wird und anschließend der Zufall über Gewinn oder Verlust entscheidet, ist das Glücksspiel. Das ist beispielsweise beim Lotto der Fall. Man tippt auf Zahlen und wenn die zufällig tatsächlich als Gewinnzahlen gezogen werden, wird man mit viel Glück zum Millionär. Glücksspiel ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Nur lizenzierte Anbieter dürfen Glücksspiel anbieten und müssen dabei strenge Auflagen erfüllen. Gespielt werden darf erst ab 18. Was hat das nun mit Computergames zu tun? Vielleicht habe ihr ja schon mal von dem glücklichen Spieler gehört, der bei CS: GO eine Lootbox erstand und damit einen Dragon Lore Skin erhielt, den er dann für 60.000 US-Dollar verkaufte. Die Parallele zum Glücksspiel ist bei Lootboxen offensichtlich und wird derzeit viel diskutiert. Glücksspiellizenz und Alterscheck also auch hier? Wo liegt die Grenze? Diese Diskussion gab es so ähnlich auch schon in den 1990er Jahren zum Thema Pokémon-Sammelkarten…

Ein ganz eigener komplexer Bereich ist übrigens das E-Sport-Recht, das gerade noch in den Kinderschuhen steckt. Seit 2019 besteht dafür eine gesonderte Forschungsstelle an der juristischen Fakultät der Universität Augsburg.